Rede von Luca (ver.di-Jugend) auf der Demo am 21.03.2026 „Gegen Berufsverbote“:
(Es gilt das gesprochene Wort)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde,Ich bin Luca Erzieher und stehe heute hier für die ver.di Jugend Hamburg.
Dem Plan der Hamburger Politik, die Regelanfrage wieder einzuführen stehen wir entschlossen entgegen.Die Regelanfrage ist eine Praxis, die vorgibt, Sicherheit zu schaffen aber in Wahrheit ein Schritt zur weiteren Überwachung ist.
Eine Praxis, die vorgibt, den Staat zu schützen aber dabei die Beschäftigten unter Generalverdacht stellt.Sicherheit entsteht nicht durch pauschales Misstrauen und Überwachung. Sicherheit entsteht durch gute Ausbildung, faire Bezahlung, Mitbestimmung und eine starke demokratische Beteiligung in den Betrieben.
Was bedeutet das konkret für die Bereiche, die wir als ver.di organisieren?
Schauen wir in den öffentlichen Dienst: Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung oder Stelle bei Behörden, in der Verwaltung oder bei städtischen Betrieben bewerben, werden durchleuchtet, nicht aufgrund konkreter Verdachtsfälle, sondern im Vorhinein ohne Grund.
Das schafft kein Vertrauen, sondern Angst. Wer sich engagiert, wer politisch aktiv ist, wer sich vielleicht kritisch äußert, muss befürchten, dass genau das gegen ihn oder sie verwendet wird.
Und was heißt das für die Kolleginnen und Kollegen im Bildungsbereich?
Für angehende Lehrer oder Lehrerinnen, Sozialarbeiter oder Sozialarbeiterinnen, Erzieher oder Erzieherinnen?
Gerade diese Berufe leben von Haltung, von gesellschaftlichem Engagement, von kritischem Denken.Doch die Regelanfrage steht dem direkt entgegen. Durch die Regelanfrage wird überhaupt der Gedanke aktiv zu werden oder sich zu engagieren im Keim erstickt.
Wenn wir Angst haben müssen unsere Ausbildung oder Beruf aufgrund von unserer Aktivität nicht anzufangen zu können oder gekündigt zu werden, weil wir Z.B in der Gewerkschaft aktiv sind, läuft etwas schief.
Gerade in Zeiten der sozialen Kürzungen, den Angriffen auf unsere Arbeitsbedingungen sowie Ausbildungsbedingungen und der Aufrüstung benötigt es aber genau das.
Auch im Gesundheits- und Pflegebereich, wo ohnehin ein massiver Fachkräftemangel herrscht, setzt die Regelanfrage den falschen Ansatz.
Statt gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, statt mehr Personal zu gewinnen, werden zusätzliche Hürden aufgebaut.
Anstatt die Ausbildungen oder die Berufe attraktiver zu machen, sehen wir eine zusätzliche Verschärfung als eine Verbesserung.
Schlechte Arbeitsbedingungen schaffen einen Nährboden für Hass und Spaltung.Die Regelanfrage trifft besonders junge Menschen. Eine Generation, die vor einer ungewissen Zukunft steht.
Die Lebenshaltungskosten steigen aber unsere Löhne werden höchstens angepasst, Experten warnen schon Jahre vor den Auswirkungen des Klimawandels, die Aufrüstung und die kriegerischen Auseinandersetzungen werden von Tag zu Tag mehr.Als ver.di Jugend sagen wir klar: Wir stehen für eine offene, solidarische und demokratische Arbeitswelt.
Wir stehen dafür, dass Beschäftigte nach ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement beurteilt werden nicht nach undurchsichtigen Abfragen im Hintergrund.Deshalb fordern wir:
Kein Platz für die Wiedereinführung der Regelanfrage.Lasst gemeinsam laut sein, solidarisch und klar sagen: Für gute Arbeit, für Mitbestimmung – und gegen Generalverdacht.
Vielen Dank.